Welpengesundheit im Alltag: Durchfall, Giardien, Pflege-Routine
Zwischen den Impfterminen liegt der Gesundheitsalltag: ein Magen, der auf alles reagiert, Parasiten, die auf Welpen spezialisiert sind — und eine Pflegeroutine, die du jetzt aufbaust, solange sie noch niedlich klein ist.
Dein Welpe ist jetzt etwa 18 Wochen alt
Das Wichtigste auf einen Blick
Durchfall beim Welpen wird früher zum Tierarztfall als beim erwachsenen Hund: nach 24 Stunden, bei Blut, Erbrechen oder Schlappheit sofort. Wiederkehrender schleimiger Durchfall riecht nach Giardien — testen lassen statt rätseln. Und: Krallen, Bürste und Ohrenblick werden jetzt zur wöchentlichen Routine.
- Einmal weicher Kot bei munterem Welpen: beobachten, Schonkost, kein Drama. Länger als 24 Stunden, blutig oder mit Schlappheit: Praxis anrufen.
- Giardien sind bei Junghunden der häufigste Durchfall-Erreger — typisch: immer wiederkehrend, schleimig, mal besser, mal schlechter. Diagnose per Kotprobe.
- Die monatliche Entwurmung oder Kotuntersuchung aus Woche 4 läuft weiter — bis zum sechsten Lebensmonat.
- Zecken- und Flohschutz gehört jetzt geregelt: Präparat und Rhythmus mit der Praxis abstimmen, nicht im Regal raten.
- Krallen schneiden, Bürsten, Ohren- und Zahnkontrolle: einmal pro Woche, mit Leckerli, bevor es nötig ist — Medical Training im Kleinen.
Dieser Beitrag fasst den fachlichen Stand zur Orientierung zusammen und ersetzt keine tierärztliche Beratung im Einzelfall. Bei Beschwerden deines Hundes ist die Tierarztpraxis die richtige Adresse.
Was tust du bei Durchfall beim Welpen?
Zuerst einordnen: Ein einzelner weicher oder matschiger Haufen bei einem Welpen, der frisst, spielt und trinkt, ist meist die Quittung für Aufregung, Futterexperimente oder den Fund im Gebüsch. Dann reicht: Ruhe, Wasser anbieten, ein bis zwei Tage Schonkost in kleinen Portionen — bewährt sind gekochtes Huhn mit Reis oder Morosche Karottensuppe — und den Kot im Blick behalten.
Zum Tierarztfall wird Durchfall beim Welpen deutlich früher als beim erwachsenen Hund, weil der kleine Körper Flüssigkeitsverluste kaum puffert: nach spätestens 24 Stunden ohne Besserung, sofort bei Blut im Kot, wiederholtem Erbrechen, Fieber, Apathie oder wenn der Welpe das Trinken einstellt. Im Zweifel ist der Anruf in der Praxis nie falsch — dafür ist die Nummer gespeichert.
Was du nicht tust: eigenmächtig Medikamente aus der Menschenapotheke geben. Etliche davon — allen voran Ibuprofen und Paracetamol — sind für Hunde giftig. Auch „Hausmittel-Kohletabletten und abwarten“ ersetzen bei einem kranken Welpen keine Diagnose.
Giardien: Warum kommt der Durchfall immer wieder?
Wenn Durchfall beim Junghund geht und wiederkommt — mal schleimig, mal wässrig, oft mit unangenehmem Geruch, während der Welpe zwischendurch munter wirkt —, stehen Giardien ganz oben auf der Liste. Die einzelligen Darmparasiten sind laut ESCCAP bei Hunden unter einem Jahr der häufigste Endoparasiten-Befund überhaupt.
Die Diagnose ist unspektakulär: eine Sammelkotprobe über drei Tage, weil die Erreger nicht mit jedem Haufen ausgeschieden werden. Die Behandlung besteht aus einem verordneten Antiparasitikum — und, mindestens so wichtig, aus Hygiene: Näpfe täglich heiß spülen, Liegeplätze waschen, Kot sofort und vollständig entfernen, den Hund nach der Behandlung baden, damit er sich nicht über anhaftende Zysten neu ansteckt.
Genau am Hygieneteil scheitern die meisten „hartnäckigen Fälle“. Plane die Wiederholungsuntersuchung nach der Behandlung fest ein, und informiere Kontakt-Hundehalter aus Welpengruppe oder Freundeskreis — Giardien wandern gern durch ganze Spielgruppen.
Wurmkur, Zecken, Flöhe: Was läuft jetzt regelmäßig?
Die Grundmelodie kennst du aus Woche 4: bis zum sechsten Lebensmonat monatlich entwurmen oder Kotproben untersuchen lassen. Der Kalendereintrag ist wichtiger als das Präparat — verrutschte Rhythmen sind der häufigste Fehler im Parasitenschutz.
Neu dazu kommt in der warmen Jahreszeit der Schutz vor Zecken und Flöhen. Welche Wirkstoffklasse, ob Spot-on, Tablette oder Halsband, hängt von Alter, Gewicht, Region und Lebensstil ab — das ist ein Gespräch mit deiner Praxis, keine Regalentscheidung im Drogeriemarkt, zumal manche Präparate erst ab bestimmtem Alter oder Gewicht zugelassen sind.
Unabhängig vom Präparat gilt nach jedem Spaziergang durch hohes Gras: einmal absuchen — Kopf, Ohren, Achseln, Zehenzwischenräume. Eine früh entfernte Zecke ist der beste Schutz; eine Zeckenzange gehört deshalb in die Erstausstattung nachgerüstet, falls sie fehlt.
Wie baust du die Pflege-Routine auf?
Nach dem Prinzip aus Woche 8: üben, bevor es nötig ist. Ein Welpe, der wöchentlich für dreißig Sekunden Bürste, Pfotenanfassen, Ohrenblick und Zahnkontrolle Leckerli kassiert, hat als erwachsener Hund kein Pflege-Drama — und du erkennst Veränderungen wie Rötungen, Knubbel oder Zahnstein, bevor sie Probleme werden.
Krallen schneiden ist die Übung mit dem größten Angstpotenzial — auf beiden Seiten der Schere. Die Regel: Steht der Hund auf ebenem Boden, sollen die Krallen den Boden nicht berühren. Geschnitten wird millimeterweise vor dem „Leben“ (dem durchbluteten Teil, bei hellen Krallen sichtbar); bei dunklen Krallen lieber öfter winzige Stücke. Lass dir den ersten Schnitt in der Tierarztpraxis zeigen — einmal falsch ins Leben geschnitten, und die Pfotenphobie ist gelernt.
Gebadet wird ein Welpe übrigens nur, wenn es wirklich nötig ist — mit lauwarmem Wasser und mildem Hundeshampoo, niemals Menschenshampoo (falscher pH-Wert). Meist reichen Bürste und ein feuchtes Handtuch; das Fell reguliert sich selbst besser, als die Shampoo-Werbung behauptet.
Die Wochenroutine (je 30–60 Sekunden, mit Leckerli)
- Bürsten — passend zur Felllänge, im Fellwechsel öfter.
- Pfoten: Zehen spreizen, Ballen ansehen, Krallenlänge prüfen.
- Ohren: Blick und Geruchstest — gesunde Ohren sind blassrosa und geruchsarm.
- Zähne: Lefze heben, Zahnwechsel-Fortschritt und Beläge checken.
- Augen: klar und ohne Ausfluss?
- Einmal am Körper entlangfühlen: Knubbel, Schuppen, Parasiten.
Häufige Fragen
Welche Schonkost hilft bei Durchfall?
Bewährt: gekochtes, ungewürztes Hühnchen mit weich gekochtem Reis, alternativ Morosche Karottensuppe (Karotten eine Stunde gekocht, püriert, gesalzen) — in mehreren kleinen Portionen über den Tag. Wasser steht immer bereit. Bessert sich nichts binnen 24 Stunden, ist die Praxis dran, nicht das nächste Rezept.
Mein Welpe frisst Kot — hängt das mit Parasiten zusammen?
Kotfressen ist bei Welpen meist Erkundungsverhalten und wächst sich mit Management aus (Kot sofort entfernen, Abbruchsignal aufbauen, an der Leine vorbeiführen). Es erhöht aber das Parasitenrisiko — halte den Entwurmungs- beziehungsweise Kotprobenrhythmus konsequent ein und erwähne es beim nächsten Praxisbesuch.
Wie erkenne ich eine Ohrenentzündung?
Kopfschütteln, Kratzen am Ohr, Schiefhaltung, Rötung, dunkler Belag oder süßlich-fauliger Geruch. Ohren dann nicht selbst mit Stäbchen bearbeiten — Wattestäbchen schieben Sekret nur tiefer. Der Blick in den Gehörgang gehört der Praxis, die Behandlung ist meist unkompliziert, wenn sie früh beginnt.
Ab wann sollte ich Zähne putzen?
Das Training beginnt jetzt — mit Fingerling oder weicher Hundezahnbürste und Hundezahnpasta (niemals Menschenzahnpasta, Fluorid und Xylit sind für Hunde giftig). In der Zahnwechselphase geht es nur ums Gewöhnen: Lefze heben, kurz touchieren, belohnen. Richtig geputzt wird, wenn die bleibenden Zähne stehen — dann idealerweise mehrmals pro Woche.
Wie oft muss ein Welpe zur Kontrolle in die Praxis?
Außerhalb akuter Anlässe strukturieren die Impftermine das erste Jahr — nach der 16-Wochen-Impfung folgt der Abschluss mit fünfzehn Monaten, dazwischen Entwurmung beziehungsweise Kotproben nach Plan. Viele Praxen bieten zusätzlich einen Junghund-Check um den sechsten Monat an — sinnvoll, um Zahnwechsel und Entwicklung einmal fachlich anzusehen.
Quellen
- ESCCAP Deutschland — Aktualisierte Empfehlungen zu Giardien
- ESCCAP Deutschland — Wie oft Hunde entwurmen?
- Tierklinik Ismaning — Giftige Lebensmittel und Medikamente für Haustiere
Zuletzt geprüft am 27. Juli 2026 von Sufyan Osamah · was das heißt: Redaktionelle Standards
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