Trächtigkeit der Hündin: Verlauf, Kontrolle, Ernährung
Rund 63 Tage, in denen wenig zu tun und viel falsch zu machen ist. Die häufigsten Fehler sind zu viel Futter zu früh und zu viel Diagnostik zu spät.
Das Wichtigste auf einen Blick
Die Trächtigkeit dauert etwa 63 Tage ab Eisprung — gerechnet ab Deckakt schwankt sie stärker, weil der Deckakt nicht der Ovulation entspricht.
- Ultraschall ab etwa Tag 25 bestätigt die Trächtigkeit und zeigt vitale Föten.
- Röntgen ab etwa Tag 55 zählt die Welpen — die einzige verlässliche Methode dafür, und die Grundlage dafür, die Geburt als vollständig zu erkennen.
- Die Energiezufuhr steigt erst im letzten Drittel deutlich. Früheres Aufmästen erschwert die Geburt, statt zu helfen.
- Entwurmung der Hündin nach tierärztlicher Empfehlung — Spulwürmer werden sonst nahezu vollständig an die Welpen weitergegeben.
- Ein Temperaturabfall unter etwa 37 °C kündigt die Geburt meist innerhalb von 24 Stunden an.
Dieser Beitrag fasst den fachlichen Stand zur Orientierung zusammen und ersetzt keine tierärztliche oder zuchtwissenschaftliche Beratung im Einzelfall.
Wie lange ist eine Hündin trächtig?
Etwa 63 Tage, gerechnet ab dem Eisprung. Vom Deckakt aus gerechnet schwankt die Dauer deutlich stärker — typischerweise zwischen 57 und 72 Tagen.
Der Grund ist derselbe, aus dem der Deckzeitpunkt gemessen und nicht gezählt wird: Der Deckakt kann Tage vor oder nach der Ovulation liegen, und Spermien bleiben mehrere Tage befruchtungsfähig. Die Föten entwickeln sich ab der Befruchtung, nicht ab dem Deckakt.
Praktisch heißt das: Wer den Eisprung über Progesteron bestimmt hat, kann den Geburtstermin auf wenige Tage genau eingrenzen. Wer nur den Deckakt kennt, hat ein Fenster von zwei Wochen — und plant Wurfkiste, Urlaub und Tierarztbereitschaft entsprechend großzügig.
Wann wird die Trächtigkeit festgestellt?
Per Ultraschall ab etwa Tag 25. Früher ist die Aussage unsicher, und ein negativer Befund in Woche zwei bedeutet wenig.
Der Ultraschall beantwortet, ob die Hündin trächtig ist und ob die Föten vital sind. Was er nicht zuverlässig kann, ist zählen — Föten liegen übereinander und werden doppelt oder gar nicht erfasst.
Für die Zahl braucht es ein Röntgenbild ab etwa Tag 55, wenn die Skelette verknöchert sind. Das ist kein Luxus: Nur wer weiß, wie viele Welpen erwartet werden, erkennt eine unvollständige Geburt — und eine im Uterus verbliebene Frucht ist ein Notfall.
Wie und ab wann wird die Fütterung umgestellt?
Deutlich später, als die meisten annehmen. In den ersten beiden Dritteln bleibt der Energiebedarf nahezu unverändert; er steigt erst im letzten Drittel spürbar an, wenn die Föten den größten Teil ihres Wachstums durchlaufen.
Zu frühes Steigern führt zu einer überkonditionierten Hündin, und Übergewicht erschwert die Geburt messbar. Es ist einer der wenigen Fehler, die sich direkt in einem Kaiserschnitt niederschlagen können.
Im letzten Drittel wird zusätzlich die Mahlzeitenzahl erhöht statt nur die Menge — der Platz im Bauchraum wird knapp, und große Portionen werden schlecht vertragen. Welche Futterzusammensetzung sinnvoll ist, gehört mit der Tierärztin besprochen; pauschale Zusätze auf eigene Faust können mehr schaden als nutzen, besonders bei Kalzium.
Muss die Hündin während der Trächtigkeit entwurmt werden?
In aller Regel ja — und zwar nach tierärztlicher Empfehlung, weil es um Wirkstoffe geht, die in der Trächtigkeit eingesetzt werden dürfen.
Der Grund ist die Übertragung: Ist die Mutter mit Spulwürmern infiziert, sind die Welpen bereits vor der Geburt betroffen. ESCCAP beziffert das auf rund 98 Prozent. Eine Entwurmung erst nach der Geburt kommt für die Welpen zu spät.
Die konkreten Schemata und Zeitpunkte in der zweiten Trächtigkeitshälfte unterscheiden sich je nach Wirkstoff. Lass dir das Schema für deine Hündin von der behandelnden Tierärztin festlegen, statt eine Empfehlung aus dem Netz zu übernehmen.
Woran erkennst du, dass die Geburt bevorsteht?
Am deutlichsten am Temperaturabfall: Sinkt die Körperinnentemperatur unter etwa 37 °C, beginnt die Geburt meist innerhalb von 24 Stunden.
Miss dafür in der letzten Woche zweimal täglich rektal und notiere die Werte — ein Abfall ist nur im Vergleich zum eigenen Normalwert der Hündin erkennbar. Dazu kommen Unruhe, Nestbauverhalten, Appetitlosigkeit und häufig ein Rückgang der Futteraufnahme am Vortag.
Zu diesem Zeitpunkt sollte die Wurfkiste längst stehen und von der Hündin angenommen sein. Eine Kiste, die erst mit den Wehen aufgebaut wird, wird nicht benutzt.
Was vor Tag 55 bereitstehen sollte
- 1Wurfkiste aufgebaut, am endgültigen Platz, von der Hündin angenommen.
- 2Wärmequelle für die Welpen, getrennt regelbar.
- 3Digitalthermometer und Temperaturprotokoll der letzten Woche.
- 4Waage mit Grammgenauigkeit für die täglichen Gewichte.
- 5Telefonnummer der Praxis UND der nächsten Nachtklinik, griffbereit.
- 6Geklärt, wer im Notfall fahren kann, wenn du bei der Hündin bleiben musst.
Häufige Fragen
Ab wann sieht man einer Hündin die Trächtigkeit an?
Verlässlich erst spät — häufig ab der sechsten Woche. Vorher ist der Bauchumfang kein brauchbares Zeichen, und eine Scheinträchtigkeit kann äußerlich ähnlich aussehen. Deshalb wird per Ultraschall bestätigt und nicht nach Aussehen entschieden.
Kann eine trächtige Hündin normal bewegt werden?
Ja, moderate regelmäßige Bewegung ist erwünscht und hält die Kondition, die sie für die Geburt braucht. Was wegfällt, sind Sprünge, harte Belastung und Hundekontakte mit Infektionsrisiko. Völlige Schonung ist so schädlich wie Überlastung.
Was tun, wenn der errechnete Termin überschritten wird?
Wenn du den Eisprung gemessen hast und Tag 65 ab Ovulation überschritten ist, gehört das tierärztlich abgeklärt — ohne Messung ist ein „überschrittener“ Termin oft nur eine ungenaue Rechnung ab Deckakt. Warte im Zweifel nicht ab, sondern lass kontrollieren.
Wie viele Welpen sind normal?
Das hängt stark von Rasse und Größe ab und ist keine Qualitätsfrage. Relevanter als die Zahl ist, dass du sie vor der Geburt KENNST — sonst lässt sich nicht beurteilen, ob die Geburt abgeschlossen ist.
Quellen
- ESCCAP Deutschland — Entwurmung trächtiger Hündinnen und Welpen
- Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV)
- § 11b Tierschutzgesetz — Zuchtbeschränkungen
Zuletzt geprüft am 27. Juli 2026 von Sufyan Osamah · was das heißt: Redaktionelle Standards
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